Die wenigsten Politiker haben die Geschichte Deutschlands so geprägt wie Walter Ulbricht – und kaum einer steht bis heute so sehr für Zerrissenheit und Diktatur. Was als bescheidener Anfang in einer Leipziger Schneiderwerkstatt begann, führte zum Bau der Berliner Mauer und zur Entmachtung des eigenen Nachfolgers. Dieser Artikel zeigt das Leben des Mannes, der die DDR baute, regierte und schließlich verlassen musste.

Geboren: 30. Juni 1893 in Leipzig ·
Gestorben: 1. August 1973 in Groß Dölln ·
Amtszeit als SED-Chef: 1950–1971 ·
Bau der Berliner Mauer: 1961 ·
Nachfolger: Erich Honecker ·
Todesursache: Herz-Kreislauf-Versagen

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob Ulbricht die Mauer von Anfang an selbst plante oder erst durch die Sowjetunion gedrängt wurde, wird unterschiedlich bewertet.
  • Die genauen internen Abläufe des Machtkampfs 1970/71 sind nicht vollständig dokumentiert.
3Zeitleisten-Signal
  • 1893 – Geburt in Leipzig
  • 1919 – Beitritt zur KPD
  • 1933-1945 – Exil in Frankreich und Sowjetunion
  • 13. August 1961 – Bau der Berliner Mauer
  • 3. Mai 1971 – Rücktritt als SED-Chef
4Wie es weitergeht
  • Ulbrichts Erbe lebt in der deutschen Erinnerungskultur fort.
  • Die historische Forschung zu seiner Rolle im Machtapparat der DDR dauert an.

Sieben zentrale Lebensdaten, ein klares Muster: Jeder Wendepunkt in Ulbrichts Karriere fällt mit einem Einschnitt der deutschen Teilungsgeschichte zusammen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Walter Ernst Paul Ulbricht
Geburtsdatum 30. Juni 1893
Todesdatum 1. August 1973
Partei KPD, SED
Amtszeit als SED-Chef 1950–1971
Nachfolger Erich Honecker
Bekannt für Mauerbau, Zitat zur Mauer, langjährige Führung der DDR

Was hat Walter Ulbricht gemacht?

Frühe Jahre und politischer Aufstieg

  • Geboren am 30. Juni 1893 in Leipzig als Sohn eines sozialdemokratischen Schneiders (Sachsen gestern und heute (Landesportal Sachsen)).
  • Er erlernte den Beruf des Möbeltischlers (Sachsen gestern und heute).
  • 1912 trat er der SPD bei; 1919 wechselte er zur KPD (Sachsen gestern und heute).
  • Von 1926 bis 1928 war Ulbricht Abgeordneter des Sächsischen Landtages (Sachsen gestern und heute).

Nach der NS-Machtübernahme emigrierte er zunächst nach Frankreich und später in die Sowjetunion (Sachsen gestern und heute). Am 29. April 1945 kehrte er nach Deutschland zurück (Sachsen gestern und heute).

Der Aufstieg vom Tischler zum mächtigsten Mann der DDR zeigt eine charakteristische Mischung aus ideologischer Unbeugsamkeit und taktischem Geschick.

Rolle als SED-Chef

Der Widerspruch

Ulbricht baute die DDR wirtschaftlich auf, unterdrückte aber gleichzeitig jede politische Opposition. Die Folge: Modernisierung auf Kosten der Freiheit.

Mauerbau und Herrschaft

Der Mauerbau war Ulbrichts dringendster Wunsch, um die Abwanderung von Arbeitskräften zu stoppen (Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)).

Die Mauer war kein improvisierter Schritt, sondern das Ergebnis eines langen politischen Kalküls. Ulbricht setzte auf Abschottung, weil die wirtschaftliche Liberalisierung scheiterte.

Warum musste Ulbricht zurücktreten?

Wirtschaftliche Probleme

Ulbrichts Wirtschaftspolitik führte zu Versorgungsengpässen und Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die DDR kämpfte mit geringer Produktivität und einem Mangel an Konsumgütern. (Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)). Die Folge waren wachsende politische Spannungen innerhalb der SED-Führung.

Machtkämpfe in der SED

Erich Honecker und andere Parteikollegen stellten sich gegen Ulbricht. Honecker, damals schon Sekretär für Sicherheitsfragen, sammelte die Kritiker um sich. Die internen Abläufe des Machtkampfs 1970/71 sind nicht vollständig öffentlich dokumentiert.

Warum dies wichtig ist

Ulbrichts Sturz zeigt: Selbst der mächtigste Mann der DDR war von der Gunst der Partei und der Sowjetunion abhängig.

Sowjetischer Druck

Die Sowjetunion unter Leonid Breschnew drängte auf einen Führungswechsel. Ulbrichts Wirtschaftsreformen und sein eigenständiger Kurs stießen in Moskau auf Ablehnung. Anfang Mai 1971 stimmte Ulbricht einem mit sowjetischer Erlaubnis konstruierten Szenario zu, das ihn als Altersgründen vom Amt des Ersten ZK-Sekretärs entband (Sächsische Biografie (Sächsische Akademie der Wissenschaften)).

Der Rücktritt war in Wahrheit eine Entmachtung. Ulbricht wurde kaltgestellt, weil sein Kurs nicht mehr den Interessen der Sowjetführung entsprach.

Wer hat den Satz gesagt: niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten?

Kontext der Pressekonferenz

Walter Ulbricht äußerte diesen Satz am 15. Juni 1961 auf einer internationalen Pressekonferenz in Berlin. Die Aussage war eine bewusste Täuschung, um die geplante Abriegelung West-Berlins zu verschleiern (Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)).

Tatsächliche Absicht

Wenige Wochen später, am 13. August 1961, ließ Ulbricht die Mauer bauen. Das Zitat gilt als eines der bekanntesten und perfidesten Beispiele politischer Täuschung in der deutschen Geschichte.

Historische Bedeutung

Der Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ ist bis heute ein Symbol für die Lüge der DDR-Führung. Er zeigt die Doppelzüngigkeit eines Regimes, das öffentlich die Friedensliebe betonte und gleichzeitig die Teilung Deutschlands zementierte.

Fazit: Ulbrichts berühmtestes Zitat ist keine Randnotiz, sondern der Schlüssel zu seinem Regierungsstil: Öffentliche Beschwichtigung und heimliche Radikalität gingen Hand in Hand.

Was war Walter Ulbrichts Todesursache?

Todesumstände

Im Juli 1973 fiel Ulbricht nach einem Schlaganfall ins Koma (Sächsische Biografie (Sächsische Akademie der Wissenschaften)). Er starb am 1. August 1973 in den Morgen- und Mittagsstunden im Gästehaus am Döllnsee in der Schorfheide an Herz-Kreislauf-Versagen (DER SPIEGEL (Nachrichtenmagazin)). MDR beschreibt Ulbrichts Tod als Folge eines Schlaganfalls.

Beisetzung und Nachruf

Er wurde auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt. Sein Tod markierte das Ende einer Ära in der DDR. Die offizielle Trauer war gedämpft – zu sehr war Ulbricht zum Symbol einer überwundenen Politik geworden.

Der Mann, der die DDR aufgebaut hatte, starb isoliert und von der eigenen Partei entmachtet.

Wer wurde Walter Ulbrichts Nachfolger?

Erich Honecker

Erich Honecker übernahm 1971 das Amt des Ersten Sekretärs der SED (Sachsen gestern und heute (Landesportal Sachsen)).

Machtwechsel 1971

Honecker setzte eine vorsichtige wirtschaftliche und kulturelle Liberalisierung durch. Der Wechsel war Teil eines innerparteilichen Machtkampfes, den Honecker mit sowjetischer Unterstützung für sich entschied. Der Führungswechsel 1971 bedeutete das Ende von Ulbrichts Ära.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

— Walter Ulbricht, Pressekonferenz, 15. Juni 1961

Der Sozialismus werde sich am Ende durchsetzen, weil er die überlegene Gesellschaftsordnung sei.

— Walter Ulbricht, Rede auf dem 7. Parteitag der SED, 1967

Ulbrichts Erbe lebt in der deutschen Erinnerungskultur fort – nicht als Vorbild, sondern als Mahnung. Für die historische Forschung bleibt er ein zentraler Schlüssel zum Verständnis der DDR-Diktatur. Die Frage, ob er nur ein Handlanger Moskaus oder ein eigener Gestalter war, wird wohl nie abschließend beantwortet. Für die deutsche Öffentlichkeit ist die Entscheidung klar: Ulbrichts Mauer steht für die Trennung, die er für immer zementieren wollte – aber die Geschichte hat anders geurteilt.

Ein detaillierter Blick auf Walter Ulbrichts Biografie zeigt, wie der Mauerbau und sein späterer Sturz die DDR-Geschichte prägten.

Häufig gestellte Fragen

War Walter Ulbricht verheiratet?

Ja, Walter Ulbricht war mit Lotte Ulbricht (geb. Kühn) verheiratet.

Wie viele Kinder hatte Walter Ulbricht?

Walter Ulbricht hatte keine leiblichen Kinder.

Welche Auszeichnungen erhielt Ulbricht?

Ulbricht erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Karl-Marx-Orden und den Lenin-Friedenspreis.

War Ulbricht im Zweiten Weltkrieg aktiv?

Ulbricht verbrachte die Jahre 1933–1945 im Exil in Frankreich und der Sowjetunion und war nicht an militärischen Aktionen beteiligt.

Wie wurde Ulbricht in der DDR verehrt?

Ulbricht wurde als „Vater der DDR“ gefeiert, es gab Denkmäler und Benennungen von Betrieben nach ihm.

Welche Kritik gibt es an Ulbrichts Politik?

Kritiker werfen ihm die Unterdrückung der Opposition, den Mauerbau und die wirtschaftliche Misswirtschaft vor.

Wo ist Walter Ulbricht begraben?

Sein Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde.